IG Metall Celle-Lüneburg
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24.06.2019, 10:06 Uhr

Konzessionen zum Erhalt des Betriebs

Am Ende bleibt eine Perspektive

  • 26.03.2018
  • Aktuelles

Im Lüneburger Eisenwerk hat die IG Metall hart verhandelt, um den Beschäftigten eine ordentliche Perspektive im LEW zu sichern. Nach Bekanntgabe der Insolvenz ging es um die Frage, zu welchen Bedingungen die Luxemburger Ogepar-Gruppe das Werk kaufen würde und die Beschäftigten arbeiten werden.

Wieland Weiss, Betriebsratsvorsitzender im Lüneburger Eisenwerk

Nun ist klar: Ogepar hat das Werk in Lüneburg gekauft und die Beschäftigten können ihre Arbeitsplätze behalten. Die IG Metall konnte den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für die kommenden fünf Jahre durchsetzen. Allerdings gibt es Einschnitte bei den Arbeitsbedingungen: Die Arbeitszeit wird auf 37,5 Stunden erhöht, Weihnachts- und Urlaubsgeld werden reduziert und die Entgelterhöhung von 4,3 %, die für den Flächentarifvertrag ausgehandelt wurde, wird vorerst nicht weitergegeben. Die Einschnitte sind hart, aber mit der Pistole auf der Brust sind Verhandlungen schwierig. Es hieß: Entweder der Tarifvertrag wird verschlechtert oder der einzige ernsthafte Investor würde abspringen, der Betrieb folglich geschlossen.

Wieland Weiss, BR-Vorsitzender des LEW: „Die Einschnitte sind bitter, denn die Kolleginnen und Kollegen können nichts für die Situation und sollen jetzt ihren Arbeitsplatz quasi selber retten.“

Seit 1842 gibt es das Eisenwerk in Lüneburg. Es ist damit das wohl traditionsreichste Unternehmen in der Stadt. Doch Tradition alleine reicht nicht aus, um eine Gießerei  erfolgreich zu führen. Das mussten die knapp 140 Beschäftigten des LEW im letzten Jahr am eigenen Leib erfahren.

Nach dem Tod des bisherigen Inhabers aus Bremen haben Erben und Teile der Geschäftsführung kein halbes Jahr gebraucht, den Laden sprichwörtlich an die Wand zu fahren. Heißt: Im letzten Herbst wurde Insolvenz angemeldet und die Firma vorübergehend durch einen vorläufigen Insolvenzverwalter geführt. Diesem ist es zwar gelungen mit der Ogepar-Gruppe einen Investor zu finden, der das LEW übernehmen wollte und eine langfristige Perspektive versprach, die Beschäftigten sollten aber und werden nun auch einen guten Teil der Zeche zahlen.

Dabei sind es nicht fehlende Aufträge und zu wenig Arbeit, die als Ursache für die Misere herangezogen werden können. Rainer Näbsch, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Celle-Lüneburg, macht das Management verantwortlich: „Falsch kalkulierte Preise, fehlende Investitionen und eine Reihe weiterer Fehler des Arbeitgebers sind der Grund für die Insolvenz. Die Beschäftigten haben in ihrem Knochenjob zum Teil in zehn Stunden Schichten geknüppelt, an ihnen lag es nicht.“

Zumindest die fehlenden Investitionen sollen nun nachgeholt werden. Fünf Millionen Euro hat die Gruppe für den Standort Lüneburg zugesagt, der zukünftig unter dem Namen Focast geführt werden wird.

Dabei hätten die Erben der Firma die Insolvenz noch abwenden können. Doch waren sie nicht bereit mit einer Überbrückungsfinanzierung für ruhigeres Fahrwasser zu sorgen. „Nur ein Wort: Verantwortungslos.30 Jahre hat man mit den Produkten des LEW gutes Geld verdient. Jetzt werden die unternehmerischen Risiken auf die Beschäftigten abgewälzt“, so Näbsch weiter. Denn mit der Insolvenz verschwanden beispielsweise die vorher gemachten Überstunden in der Insolvenzmasse. Fraglich, ob, wann und wieviel die Beschäftigten davon noch wiedersehen.

Doch vorerst steht die Freude über den Erhalt des Werkes und der Arbeitsplätze im Vordergrund. Und auch für die Zukunft muss man nicht schwarz sehen. Die Belegschaft des LEW war immer kampfstark. Wenn die Zeiten besser werden, wird auch wieder der Weg zurück in die uneingeschränkte Geltung des Flächentarifvertrags beschritten werden.

 

Der Artikel ist eine leicht geänderte Version eines Artikels für die Maizeitung des DGB Nord-Ost-Niedersachsen. Die vollständige Maizeitung steht unten zum Download bereit.


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